
Da es sich um eine turnusgemäße Hauptversammlung handelt, hält sich die Aufregung der Mitglieder in Grenzen. Nur kurzzeitig kommt Heiterkeit auf, als die Kassenprüferin statt der Entlastung des Vorstandes versehentlich dessen Entlassung beantragt. Nun gut, ich glaubt gelernt zu haben, daß es bei einem Karnevalsverein auch mal lustig zugehen darf.
Richtig emotional wird die Debatte erst wieder, als der Vorsitzende davon berichtet, daß alle Vereine seit kurzem regelmäßig alle ihre Kabel überprüfen lassen müssen und zwar von einem sachkundigen Menschen, der in aller Regel - verständlicherweise - für seine Dienste Geld verlangt. Schnell fallen die typischen Begriffe der politischen Aufgeregtheit wie "Blödsinn" und "Abzocke". Ich möchte dieselben Leute gerne mal hören, wenn es im Rahmen einer Vereinsfeier einen Brand gegeben haben sollte wegen mangelhafter Kabel. Jede Wette, dann heißt es: "Wie man denn das zulassen können! Des muß doch jemand prüfe!" - wie immer eine Frage der Perspektive. Eines ist aber sicher auch richtig, daß es natürlich insbesondere für kleinere Vereine zunehmend schwieriger wird, "einfach nur so" ihrem Hobby nachzugehen, insbesondere dann, wenn man dabei in größerem Stile Veranstaltungen mit Publikumsverkehr organisiert. Auch wenn jede einzelne Maßnahme für sich gesehen in Ordnung zu sein scheint (Rauchverbot, im Saal keine offenen Kerzen mehr, lebensmittelechte Schläuche auch für Spülwasser, keine Rechauds mit offener Flamme mehr, ...), ist die Vielzahl der Regularien natürlich schier erdrückend. Eine richtige Lösung habe ich auch nicht.
Mit großem Interesse habe ich persönlich die letzte größere Diskussion verfolgt, in der es darum geht, wie sich der Verein bei all den anderen Verpflichtungen, die man so hat im Leben, mehr Zeit und Muße für die Übungsstunden des Musikzuges verschaffen kann. Roland Klingelhöfer als musikalischer Leiter drängt darauf, schlicht gesagt, daß mehr geübt wird - und das tut dem Musikzug gut, wenn jemand meine Meinung dazu hören will. Im Auditorium wird zu diesem Thema unter anderem die Ansicht geäußert, man könne doch auch mal zuhause üben - das sei wie mit dem Fahradfahren das man ja auch erst mit Stützrädern erprobe, um dann ohne diese Hilfen weiterzuüben. Also bringt der TMCR in Zukunft wohl Blasmusik ohne Stützräder zu Gehör; ich bin gespannt.
TMCR
P.S.: Daß der Norbert Roth auf dem Photo einen Heiligenschein zu haben scheint, ist reiner Zufall ...