
(27.11.2010) Der Deutsche Alpenverein hat eine Sektion Frankfurt. Das mag einen wundern, da doch die Alpen so den einen oder anderen Kilometer von Frankfurt entfernt sind. Aber es geht weiter: Frankfurt war lange Jahre nach Gründung des DAV im 19. Jahrhundert Hauptsitz des Vereins! Und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, hat die Frankfurter Sektion des DAV gut und gerne 6000 Mitglieder; nein, da ist mir keine Null zuviel reingerutscht - und wie sagt man in Norddeutschland: Und jetzt kommen Sie!
Ich habe das alles nicht gewußt und weil der Verein wohl der Meinung war, daß es auch andere, die es wissen könnten und sollten, nicht wissen, hat man einen Informationsnachmittag veranstaltet und der halbe Ortsbeirat ist da und hört sich an, daß der Verein vom breitensportlichen Wandern bis zum Sportklettern auf Europa- und Weltniveau eine enorme Vielzahl von Aktivitäten entfaltet.
Nach ungefähr einer halben Stunde steuert der Beamer-Vortrag dann auf das Thema zu, daß sich als des Oudels Kern erweist: Die Kletterhalle, die der DAV auf seinem Gelände fast am Kreuzungspunkt der Stadtteile Berkersheim, Eckenheim, Preungesheim und Frankfurter Berg (Homburger Landstraße 283) errichten wird. Auf einer Grundfläche von ungefähr 20 mal 25 Metern wird alles geboten werden, was das Klettererherz begehrt. Der Clou dabei ist, daß der Verein die Halle der Allgemeinheit öffnen wird - gegen ein Eintrittsgeld, gewiß, aber immerhin. Und auch zu den Schulen und anderen Sportvereinen im Beritt wird der Kontakt gesucht. Für den Ortsbezirk 10, der an einem erheblichen Mangel an gedeckten Sportstätten leidet, wäre es ein Segen eine solche Halle zu haben. Da sind sich alle Besucher der Informationsveranstaltung dann schnell einig.
So, reden wir mal über die Höhe der Halle. Daß eine Kletterhalle des Deutschen Alpenvereins mehr lichte Höhe braucht als eine Neubau- und sogar eine Altbauwohnung ist klar. Also, 14 Meter Außenhöhe muß es schon mal sein. Und da sagt jetzt die Stadtverwaltung: Hhmm, in Abwesenheit eines dedizierten Baurechts und in Anlehnung an die umgebende Bebauung darf die Halle aber nur 10 Meter hoch sein. Das hat zur Konsequenz, daß der Halle 4 Meter in der Erde verschwinden muß, damit insgesamt die Höhe von 14 Meter erreicht wird. Das kostet überall in Deutschland eine Menge Geld, aber an der Stelle liegt ausgerechnet der Grundwasserspiegel sehr hoch, sodaß es dort extra teuer würde, da man ein Wassermanagement bräuchte. Jetzt fragt sich der geneigte Leser, warum man sich denn im Niemandsland zwischen Autobahn, Gewerbegebiet und Bundespolizeikaserne - alles keine architektonischen Geniestreiche - an 10 Meter Außenhöhe halten sollte, nur weil zufällig das bestehende Gebäude des DAV diese Höhe aufweist. Die Besucher des Informationsnachmittages rechnen mal schnell mit 10 Fingern nach, daß der ebenerdige Bau der Halle dem Steuerzahler Zuschüsse in sechsstelliger Höhe ersparen würde und man ist schnell einig: Der Ortsbeirat wird den Magistrat bitten, seine Entscheidung zu überdenken, seinen Ermessensspielraum im Sinne des DAV und der Bürger im Ortsbezirk 10 zu nutzen und die ebenerdige Bauweise zu gestatten.
DAV - Sektion Frankfurt