
(16.06.07) Es gibt Ereignisse, über die kann man eigentlich im Nachhinein gar nicht mehr unvoreingenommen berichten, weil die nachfolgenden Vorkommnisse den Blick trüben und die Gedanken schon in eine bestimmte Richtung drängen. Das Sommerfest der Carlo-Mierendorff-Schule 2007 wird immer unter der Überschrift "Messerstecherei" stehen, ungeachtet der Tatsache, daß das unseelige Ereignis höchstens sehr mittelbar mit der Schule zu tun hatte, insofern als einer der Beteiligten Schüler an der CMS war.
Da rückt dann leider die Tatsache, daß das Fest so etwas war, wie der Abschied des bisherigen Rektors Zabler genauso in den Hintergrund wie die - nun ja, sagen wir mal: kreativen Interpretationen der in Ehren ergrauten Popklassiker für zwei akustische Gitarren und Trommel. Und schließlich ist das Sommerfest ja auch immer der Abschluß der Projektwoche, nach der die Schüler einer geneigten Öffentlichkeit präsentieren, was sie in der zurückliegenden Woche so abseits des Schulalltages gemacht haben.
Ein schönes, normales Fest hätte es sein können, wenn nicht ein paar Jugendliche vorgehabt hätten, einen Streit handgreiflich werden zu lassen. Jetzt, da ich diesen Artikel schreibe, liegt die letztwöchige Ortsbeiratssitzung, auf der Thema breit diskutiert wurde, bereits hinter mir und auf dieser Sitzung wurde von einer Mehrheit befunden, das Ereignis sei nicht mit der CMS einerseits und mit der Kalr-Kirchner-Siedlung anderseits und mit Preungesheim schon mal gar nicht in Verbindung zu bringen, es hätte anderenorts in Frankfurt genauso stattfinden können.
Mir ist nicht wohl bei dieser Analyse: Hätte eine Messerstecherei, die sich über ein Schulsommerfest ergießt, im Westend wirklich genauso stattfinden können oder in Nieder-Eschbach? Verschließt man nicht aus Angst davor, als Nestbeschmutzer gebranntmarkt zu werden, die Augen davor, daß die Sozialstruktur der Karl-Kirchner-Siedlung ein solches Geschehen sehr wohl begünstigt? Wenn es so wäre, müßte man diese Frage stellen dürfen, ohne daß einem vorgeworfen würde, man stelle die Bewohner der Karl-Kirchner-Siedlung unter Generalverdacht - und das hätten sie ja nun gewiß nicht verdient. Aber schließlich ist es ja so, daß sich z.B. ein Karl-Kirchner-Kreis seit einigen Jahrzehnten vor Ort sozial engagiert und jetzt sogar die Einrichtung eines Präventionsrates bevorsteht - das passiert ja nun auch nicht, weil's so famos läuft im Dorf.
Wenn wir da ein Problem haben, dann ist
niemandem damit geholfen, dieses Problem zu relativieren und es wegzuschieben mit dem Kampfruf: "Reiner Zufall, daß es hier passiert ist!"
Carlo-Mierendorff-Schule